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Partizipation bedeutet teilhaben, teilnehmen oder beteiligt sein. Oft werden Synonyme wie Beteiligung, Mitwirkung, Mitbestimmung, Mitsprache oder Einbeziehung verwendet. So vielfältig die Begriffe sind, so vielfältig auch das Verständnis, was Partizipation genau ist. Partizipation ist meistens kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess mit zahlreichen Phasen.

Klimaquartiere

Für mehr Lebensqualität und ein angenehmeres Stadtklima

Über diesen Prozess

Winterthur wächst – so auch der Bedarf an Freiflächen und Aufenthaltsorten im Quartier. Gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels immer spürbarer: Hitzeperioden und Starkregen nehmen zu. In diesem Kontext gewinnen Strassenräume an Bedeutung: Sie sollen künftig nicht nur dem Verkehr dienen, sondern vermehrt auch Raum für Aufenthalt, Begegnung, Hitzeminderung sowie sichere Fuss- und Veloverbindungen bieten.

In der Volksabstimmung vom 9. Juni 2024 wurden die parlamentarischen Gegenvorschläge zur «Gute-Luft-Initiative» und zur «Zukunfts-Initiative» vom Stimmvolk angenommen. Sie fordern die Umwidmung von Strassenflächen in Grünflächen mit Bäumen («Gute-Luft-Initiative») sowie Flächen für die Bevorzugung von Fuss-, Velo und öffentlichem Verkehr («Zukunfts-Initiative»). Um die Zielvorgaben bis 2040 zu erreichen, muss deutlich mehr Fläche umgewidmet werden, als mit ohnehin vorgesehenen Strassenbauprojekten erreicht werden könnte. Ein zentraler Baustein hierzu bildet das Handlungsfeld Klimaquartiere.

Was sind Klimaquartiere?

In Klimaquartieren wird das Verkehrsregime so geändert, dass die Durchfahrt für den quartierfremden Verkehr erschwert oder verunmöglicht wird, während Anwohnende weiterhin zu ihren Liegenschaften gelangen können. Durch die veränderte Verkehrsführung entstehen neue Freiflächen, welche mit Sitzgelegenheiten und Pflanzentrögen ausgestattet und durch die Quartierbevölkerung genutzt werden können. Dadurch soll die Aufenthaltsqualität im Quartier erhöht und nachbarschaftliche Beziehungen gestärkt werden. Gleichzeitig wird die Verkehrssicherheit erhöht und die verkehrsbedingte Lärmbelastung gesenkt. 

Die Idee der Klimaquartiere lehnt sich an das Konzept der Superblocks aus Barcelona an, bei denen mehrere Strassenblocks zusammengefasst und im Inneren weitgehend verkehrsfrei gestaltet werden. Der so freigespielte Strassenraum kann umgestaltet und als Fläche für den Fuss- und Veloverkehr sowie als Grünraum und Aufenthaltsfläche genutzt werden. Das Superblock-Konzept wird mittlerweile in vielen europäischen Städten, angepasst an die örtlichen Verhältnisse, umgesetzt. Auch für Winterthur wird dieses Modell sorgfältig an die lokalen Gegebenheiten angepasst.

Konzept Superblock

Quelle: Deprioritising cars beyond rerouting: Future research directions of the Barcelona Superblock - Scientific Figure on ResearchGate. [accessed 21 May 2026]

Abgrenzung

Im Gegensatz zu Strassenbauprojekten, bei denen Quartierstrassen grossflächig entsiegelt und die Strassenoberfläche umgestaltet werden kann, setzen Klimaquartiere vorerst auf temporäre Massnahmen. Besonders an diesem Ansatz ist, dass Massnahmen gemeinsam mit der Bevölkerung entwickelt und schnell und agil umgesetzt werden können. Dies ermöglicht es, Konzepte zu testen. Erfolgreiche Ansätze und gesammelte Erfahrungen lassen sich schliesslich – beispielsweise im Rahmen einer anstehenden Strassensanierung – in dauerhafte Strassenbauprojekte überführen. Trotzdem sind in Klimaquartieren bereits kleinflächige Entsiegelungen und punktuelle Baumpflanzungen möglich.

Der Weg zu Ihrem Klimaquartier

Rückblick

Basierend auf einer umfassenden Analyse hat die Stadt Winterthur vier Quartiere identifiziert, welche sich potenziell als Klimaquartier eignen würden. Während der Klimawoche im Juni 2026 fand in allen vier Quartieren, Eichliacker, Neuwiesen, Dorfkern Oberwinterthur und Zentrum Seen, ein autofreier Tag statt. Die Strasse wurde für einen Tag zum Ort für Begegnung, Spiel und Austausch – und zeigte exemplarisch, wie ein Klimaquartier aussehen könnte. Mitarbeitende der Stadt waren vor Ort und haben sich mit der Quartierbevölkerung über Meinungen und Wünsche zum Quartier ausgetauscht.

Gleichzeitig bestand die Möglichkeit, sich zwischen dem 21. Mai und dem 28. Juni 2026 an einer Umfrage zum eigenen Quartier zu beteiligen. Die Umfragen dienten der Stadt Winterthur dazu, das Potenzial der vier Quartiere für die mögliche Umsetzung eines Klimaquartiers zu eruieren und herauszufinden, was den Menschen vor Ort wichtig ist.

Collage

Eindrücke der autofreien Tage in den Quartieren Eichliacker, Oberwinterthur, Neuwiesen und Seen (Robin Holdener)

Auswertung der Rückmeldungen aus der Klimawoche und den Umfragen

Die Ergebnisse der Bevölkerungsumfragen weisen in allen vier Quartieren eine breite Unterstützung für die Klimaquartiere auf. Im Eichliacker stehen rund 80 Prozent der Befragten der Idee eines Klimaquartiers positiv oder eher positiv gegenüber. In den Quartieren Dorfkern Oberwinterthur, Zentrum Seen und Neuwiesen liegt die Zustimmung jeweils bei über 90 Prozent.

Zustimmungs-Ergebnisse zur Weiterentwicklung von Klimaquartieren seitens der Bevölkerung

Zustimmungs-Ergebnisse zur Weiterentwicklung von Klimaquartieren seitens der Bevölkerung vor Ort

Die Auswertungen zeigen zudem, dass in allen vier Quartieren ähnliche Herausforderungen bestehen. Die Verkehrssicherheit wird überall als zentrales Anliegen genannt. Ebenso wird in allen Quartieren Handlungsbedarf beim quartierfremden Durchgangsverkehr gesehen. Gleichzeitig bestätigen die Ergebnisse der Quartierumfragen, dass in allen vier Gebieten erhebliches Potenzial für Aufwertungsmöglichkeiten besteht, und die Bevölkerung sich attraktivere öffentliche Räume sowie mehr Platz für das Quartierleben wünscht.

Aufgrund des starken Rückhalts seitens der Bevölkerung sollen mittel- bis langfristig in allen vier Quartieren Klimaquartiere entstehen. Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslagen erfolgt die Umsetzung jedoch etappenweise.

Die Wahl der zwei Pilot-Klimaquartiere

Für eine erste Umsetzungsphase wurden der Dorfkern Oberwinterthur und das Zentrum Seen ausgewählt.

In Oberwinterthur besteht seit Jahren erheblicher Durchgangsverkehr auf der Römerstrasse. Gleichzeitig bietet der dörfliche Charakter grosses Potenzial für einen attraktiven Dorfkern mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Umfrage zeigt ausserdem, dass rund 18 Prozent der Befragten weder über einen privaten oder gemeinschaftlichen Garten noch über einen Balkon verfügen. Rund ein Drittel beurteilt zudem das Gemeinschaftsgefühl im Quartier als schwach oder eher schwach.

Ergebnisse_Oberwinterthur

Umfrageergebnisse für Oberwinterthur

Im Zentrum Seen fehlen heute qualitätsvolle Aufenthaltsorte und soziale Treffpunkte. Entsprechend nutzt knapp ein Drittel der Befragten den öffentlichen Raum kaum zum Verweilen. Zudem erfüllt das bestehende Fahrverbot an der Hinterdorfstrasse seine Funktion nur teilweise und soll im Rahmen einer Neugestaltung räumlich besser ausgestaltet werden. Aufgrund des überschaubaren Projektperimeters sind die Voraussetzungen für eine zeitnahe Umsetzung günstig.

Ergebnisse_Seen

Umfrageergebnisse für das Zentrum Seen

Das Neuwiesenquartier und das Eichliacker werden in einer zweiten Phase ab 2030 weiterbearbeitet. Im Eichliacker waren insbesondere der Baustellenverkehr des Projekts MehrSpur Zürich-Winterthur, der zwischen 2027 und 2029 über die Bütziackerstrasse geführt werden muss, sowie bereits beschlossene Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr ausschlaggebend für die spätere Umsetzung. Hinzu kommt die im Vergleich zu den übrigen Quartieren etwas tiefere, aber weiterhin hohe Zustimmung aus der Bevölkerung. Im Neuwiesenquartier erschwert die Grösse des Gebiets eine zeitnahe Gesamtrealisierung. Zusätzlich befinden sich mehrere Drittprojekte in einem fortgeschrittenen Stadium.

Trotz der späteren Umsetzung sind in beiden Quartieren bereits in den kommenden Jahren punktuelle Verbesserungen vorgesehen. Im Eichliacker soll vertieft geprüft werden, ob rund um das Schulhaus eine Begegnungszone eingerichtet werden kann und ob die Strittackerstrasse zwischen der Bütziacker- und der Klosterstrasse gesperrt und als erweiterter Schulraum gestaltet werden kann. Im Neuwiesenquartier soll untersucht werden, ob die Walkestrasse im Abschnitt zwischen Rennweg und Wartstrasse mit grösseren Aufenthaltsflächen aufgewertet werden kann. In diesem Bereich besteht bereits heute ein zweiteiliges Fahrverbot.

Die vollständige Auswertung der Umfragen finden Sie am Ende dieser Seite.

Partizipativer Prozess zur Ausgestaltung der Pilot-Klimaquartiere

Bereits Ende September geht der Beteiligungsprozess in den beiden Pilot-Quartieren weiter. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden mögliche Gestaltungsvarianten für den Dorfkern Oberwinterthur und das Zentrum Seen diskutiert. Interessierte Personen dieser beiden Quartiere sind herzlich zur entsprechenden Veranstaltung eingeladen:

Do. 24.09.2026, Kirchgemeindehaus Oberwinterthur, 17:30 - 19:30 Uhr

Do. 01.10.2026, Kirchgemeindehaus Seen, 17:00 - 19:00 Uhr

Während der Veranstaltung bewegen sich die Teilnehmenden frei zwischen verschiedenen Stationen und entscheiden selbst, wie lange sie wo verbleiben. Es gibt keinen definierten Start. Idealerweise können Sie  sich zwischen 45 Minuten und einer Stunde Zeit nehmen.

Während der Veranstaltung stellt das Tiefbauamt eine Kinderbetreuung zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme!

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Zugehörige Dokumente

Umfrage-Ergebnisse
Auswertung Quartierumfragen und Workshops
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Referenz: kooperation-PART-2026-05-121

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